Aufbau der Haut
Die Haut besteht aus drei Schichten: der Oberhaut (Epidermis), der Lederhaut (Dermis) und der Unterhaut (Subkutis). Der oberste Teil der Oberhaut, die Hornschicht, wird aus verhornten, backsteinartig aufgeschichteten Hornzellen (Corneozyten) gebildet, die von einem Gemisch aus Wasser und Fett zusammengehalten werden. Bei einer gesunden Haut regeneriert sich die Oberhaut etwa alle 4 Wochen, indem Zellen von der tiefsten Schicht der Oberhaut an die Hautoberfläche wandern, dabei verhornen und schließlich abschuppen.
Die Lederhaut (Dermis) liegt unter der Oberhaut und besteht aus einem dichten Geflecht aus kollagenen und elastischen Fasern. Sie verleiht der Haut Festigkeit, Elastizität und Stabilität. In der Dermis befinden sich Blutgefäße, Lymphgefäße, Nerven, Schweißdrüsen, Talgdrüsen sowie Haarfollikel. Diese Schicht ist auch für die Temperaturregulation und die Versorgung der Oberhaut mit Nährstoffen verantwortlich.
Die Unterhaut (Subkutis) bildet die tiefste Schicht der Haut und besteht hauptsächlich aus lockerem Bindegewebe und Fettzellen. Sie dient als Energiespeicher, Polster gegen mechanische Einwirkungen und schützt den Körper vor Kälte. Außerdem verlaufen hier größere Blutgefäße und Nerven, die die darüberliegenden Hautschichten versorgen.
Hautbarriere
Die Hautbarriere ist die Kombination aus einer intakten Hornschicht in Verbindung mit dem leicht sauren Wasser-Fett-Film (pH-Wert ca. 5,5). Sie schützt die Haut vor Austrocknung und mechanischen Einwirkungen. Zudem verhindert sie zu einem gewissen Grad das Eindringen von Schad- oder Reizstoffen sowie das Wachstum von Krankheitserregern.
Hautkontakt
Hautkontakt ist der direkte Kontakt der Haut mit festen, flüssigen oder pastösen Arbeitsstoffen (Vollkontakt oder Spritzer) sowie der Kontakt zu luftgetragenen Stoffen (Aerosole, Gase, Dämpfe). Hautkontakt ist zum Beispiel auch der Kontakt mit kontaminierter Arbeitskleidung, persönlichen Schutzausrüstungen oder kontaminierten Arbeitsflächen bzw. Arbeitsmitteln.
Feuchtarbeit
Feuchtarbeit nach der TRGS 401 sind Tätigkeiten, bei denen Beschäftigte einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit Hautkontakt mit Wasser oder wässrigen Flüssigkeiten haben oder häufig die Hände waschen oder diese Tätigkeiten im Wechsel mit dem Tragen flüssigkeitsdichter Schutzhandschuhe erfolgen. Zu den wässrigen Flüssigkeiten zählen z. B. wassergemischte Kühlschmierstoffe, wässrige Desinfektionsmittel oder wässrige Reinigungsmittel. Zu den wässrigen Desinfektionsmitteln gehören auch alkoholische Händedesinfektionsmittel, auch als Gel. Das ausschließliche Tragen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen ist keine Feuchtarbeit.
Häufige und/oder aggressive Hautreinigung
Unter häufiger Hautreinigung versteht man das Reinigen der Hände mindestens 15 Mal pro Arbeitstag mit milden, reibekörperfreien Hautreinigungsmitteln. Bei Anwendung reibekörperhaltiger Hautreinigungsmittel können Barrierestörungen begünstigt werden.
Unter "aggressiver" Hautreinigung wird die Anwendung von Hautreinigungsmitteln mit stark entfettenden, hautreizenden Tensiden, Reibekörpern oder Lösemitteln sowie die Hautreinigung mit Bürsten verstanden.
Hautmittel
Unter dem Begriff "Hautmittel" werden Hautschutz-, Hautpflege- und Hautreinigungsprodukte für den beruflichen Einsatz zusammengefasst.
Hautschutzmittel
Hautschutzmittel sind äußerlich anzuwendende Produkte, die vor einer hautbelastenden Tätigkeit auf die saubere Haut aufgetragen werden und die Haut vor allem vor Irritationen schützen sollen.
Hautpflegemittel
Hautpflegemittel sind äußerlich anzuwendende Produkte, die nach einer hautbelastenden Tätigkeit auf die saubere Haut aufgetragen werden und die zur Regeneration der Hautbarriere beitragen sollen.
Hautreinigungsmittel
Hautreinigungsmittel sind äußerlich anzuwendende Produkte, die unerwünschte Stoffe auf der Haut entfernen sollen.
Händedesinfektionsmittel
Händedesinfektionsmittel sind äußerlich anzuwendende Produkte, die auf die trockene und saubere Haut aufgetragen werden, um die auf den Händen befindliche Besiedlung mit Mikroorganismen, z. B. Bakterien oder Viren, weitgehend zu reduzieren.
Sonnenschutzmittel
Sonnenschutzmittel sind äußerlich anzuwendende Zubereitungen zum Schutz der Haut vor ultravioletter (UV-)Strahlung. Sie enthalten organische und/oder anorganische UV-Filter, die UV-A- und UV-B-Strahlung durch Absorption, Reflexion und/oder Streuung abschwächen und dadurch die auf die Haut einwirkende UV-Strahlung reduzieren. Dies verzögert das Auftreten eines Sonnenbrandes (Erythems) und trägt zur Verringerung weiterer akuter und chronischer UV-induzierter Schädigungen bei.
Lichtschutzfaktor (Sun Protection Factor)
Der Lichtschutzfaktor (LSF), bzw. Sun Protection Factor (SPF), eines Sonnenschutzmittels bezieht sich auf den Schutz gegen UV-B-Strahlung. Ein zusätzlicher UVA-Schutz sollte separat ausgewiesen sein. Der LSF gibt an, um welchen Faktor die Eigenschutzzeit der Haut theoretisch verlängert werden kann. Die Eigenschutzzeit ist die Zeit vom Beginn der Bestrahlung bis zum Auftreten eines Sonnenbrandes und hängt vom Hauttyp und der Strahlungsintensität ab.
Flüssigkeitsdichte Handschuhe
Als flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe werden der TRGS 401 "Gefährdung durch Hautkontakt" entsprechend Chemikalienschutzhandschuhe DIN EN ISO 374-1 sowie medizinische Handschuhe nach DIN EN 455-1 bezeichnet. Auch Gewebehandschuhe mit Vollbeschichtung, z. B. aus Nitrilkautschuk, können wie flüssigkeitsdichte Schutzhandschuhe im Sinne der TRGS 401 bewertet werden, wenn sie zu einem Wärme- und Feuchtigkeitsstau führen. Lederhandschuhe sowie Gewebehandschuhe ohne bzw. mit Teilbeschichtung zählen nicht zu den flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen.
Okklusion
Okklusion ist das luft- und wasserundurchlässige Abdecken von Hautarealen, z. B. durch das Tragen flüssigkeitsdichter Handschuhe. Die Okklusion bewirkt einen Feuchtigkeitsstau im Handschuh und führt zur Erweichung der Haut. Die Hornschicht der Haut quillt auf und der Zellverband der Hornschichtzellen lockert sich. Dies kann zu einer Störung der Hautbarriere führen, so dass das Eindringen von Arbeitsstoffen in die Haut erleichtert und die Empfindlichkeit gegenüber mechanischen und chemischen Belastungen, z. B. durch Tenside, erhöht wird.