4 Gehörschutzarten

Grundsätzlich werden drei verschiedene Gehörschutzarten unterschieden:

Die Liste "Alle dem IFA gemeldeten Gehörschützer mit EU-Baumusterprüfbescheinigung" findet sich in der DGUV Regel 112-194 "Benutzung von Gehörschutz" (Anhang 12).

4.1 Kapselgehörschutz

Alle Gehörschützer mit Kapseln, welche die beiden Ohrmuscheln umschließen, sind Kapselgehörschützer. Es sind drei Arten zu unterscheiden:

Nachfolgend einige Ausführungen:

Abb. 2 Kapselgehörschützer mit Kopfbügel

Abb. 2 Kapselgehörschützer mit Kopfbügel


Abb. 3 Kapselgehörschützer mit Nackenbügel

Abb. 3 Kapselgehörschützer mit Nackenbügel


Abb. 4 Kapselgehörschützer mit Universalbügel und Kopfhalteband

Abb. 4 Kapselgehörschützer mit Universalbügel und Kopfhalteband


Abb. 5 Kapselgehörschützer, die nur an einem dazu passenden Industrieschutzhelm montiert werden dürfen

Abb. 5 Kapselgehörschützer, die nur an einem dazu passenden Industrieschutzhelm montiert werden dürfen


4.2 Gehörschutzstöpsel

Alle Gehörschützer, die im Gehörgang oder in der Ohrmulde getragen werden, sind Gehörschutzstöpsel. Es sind folgende Arten zu unterscheiden:

Üblicherweise sind fertig geformte Gehörschutzstöpsel zum mehrmaligen Gebrauch bestimmt.

Einige Typen werden wahlweise mit und ohne Verbindungsschnur, in verschiedenen Größen oder mit elektronischen Zusatzeinrichtungen (siehe Abschnitt 4.4) angeboten.


Abb. 6 Fertig geformte Gehörschutzstöpsel

Abb. 6 Fertig geformte Gehörschutzstöpsel


Abb. 7 Vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel

Abb. 7 Vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel


Abb. 8 Bügelstöpsel

Abb. 8 Bügelstöpsel


4.3 Gehörschutz-Otoplastiken

Gehörschutz-Otoplastiken sind eine Sonderform der fertig geformten Gehörschutzstöpsel. Sie werden individuell nach dem Ohr und insbesondere dem Gehörgang des Trägers geformt und verschließen den Gehörgang, ohne einen Druck auf die Gehörgangwandungen auszuüben. Einige Modelle werden mit verschiedenen Filtern angeboten. Bei der Beschaffung ist der geeignete Filter entsprechend den Erfordernissen am Arbeitsplatz auszuwählen.

Druckerscheinungen sind bei Gehörschutz-Otoplastiken aus hartem Material möglich, wenn während der Benutzung erhebliche Kopfbewegungen ausgeführt werden.

Der Einsatz setzt eine Funktionskontrolle vor der ersten Verwendung und danach regelmäßig im Abstand von maximal drei Jahren voraus.


Abb. 9 Gehörschutz-Otoplastiken

Abb. 9 Gehörschutz-Otoplastiken


4.4 Gehörschutz mit elektronischen Zusatzfunktionen

Folgende Zusatzfunktionen sind für Gehörschutz (sowohl Kapselgehörschutz als auch Gehörschutzstöpsel und Gehörschutz-Otoplastiken) einzeln und in Kombination verfügbar:


Abb. 10 Kapselgehörschutz mit pegelabhängiger Schalldämmung

Abb. 10 Kapselgehörschutz mit pegelabhängiger Schalldämmung


Abb. 11 Kapselgehörschutz mit Kommunikationseinrichtung

Abb. 11 Kapselgehörschutz mit Kommunikationseinrichtung


Abb. 12 Kapselgehörschutz mit eingebautem Radiogerät

Abb. 12 Kapselgehörschutz mit eingebautem Radiogerät

Bei pegelabhängig dämmenden Gehörschützern werden leise Umgebungsgeräusche am Ohr verstärkt. Mit zunehmendem Schallpegel nimmt die Verstärkung ab. Bei sehr hohen Schallpegeln verhalten sich diese Produkte wie passive Gehörschützer.

Gehörschützer zur sicherheitsrelevanten Kommunikation ermöglichen es, drahtlos (Bluetooth oder Funk) oder über Kabelverbindungen Informationen, die für den Fortgang der Arbeit nötig sind, zu übertragen. Es gibt Systeme, die Informationen nur in eine Richtung übertragen können und andere, die den Dialog zwischen den Beschäftigten auch in Lärmbereichen ermöglichen.

Kommunikation zu Unterhaltungszwecken ("Entertainment") kann über verschiedene Anschlusstechniken realisiert werden (Bluetooth, UKW, DAB+, kabelgebunden). Generell muss der vom Wiedergabegerät am Ohr erzeugte Schalldruckpegel auf 82 dB(A) begrenzt sein, um eine zusätzliche Gehörgefährdung durch laute Musik o. Ä. auszuschließen.

Bei Gehörschützern mit aktiver Geräuschkompensation können Geräusche im Gehörschützer durch phasenverschobenen Schall (Gegenschall) gemindert werden (ANR bzw. ANC). Dieser setzt sich aus etwa gleichen Schalldruckpegeln und Frequenzen zusammen wie die auszulöschenden Geräusche. Die Überlagerung der beiden Signale führt zur Schall-Auslöschung (noise-cancelling). Die beste Wirkung zeigt diese Technik bei tiefen Frequenzen. Produkte (Kopfhörer), die nicht als Gehörschutz zugelassen sind, dürfen im Lärm/in Lärmbereichen nicht verwendet werden.


4.5 Kombination unterschiedlicher Gehörschutz-Arten

Bei sehr hohen Schalldruckpegeln kann die Schutzwirkung, die ein Gehörschutz allein bietet, unter Umständen nicht ausreichen, um den Restpegel am Ohr ausreichend weit zu reduzieren. In solchen Fällen kommt eine geprüfte Kombination aus Gehörschutzstöpsel/Gehörschutz-Otoplastik und Kapselgehörschutz zum Einsatz. Im Prinzip sind alle Gehörschutzstöpsel außer Bügelstöpseln geeignet. Bei Lamellenstöpseln und Gehörschutz-Otoplastiken ist darauf zu achten, dass der Stiel, Handgriff o. ä. nicht mit der Innenseite des Kapselgehörschützers Kontakt hat. Dies könnte den Sitz des Stöpsels verändern oder zu Druckerscheinungen und Reibgeräuschen führen.

Es dürfen nur geprüfte Kapsel-Stöpsel-Kombinationen verwendet werden, da nur für diese Kombinationen die tatsächlichen Schalldämmwerte bekannt sind, die einen Vergleich mit den maximal zulässigen Expositionswerten zulassen.

Bei der Auswahl ist zu beachten, dass sich die Einzelschalldämmungen nicht einfach addieren, sondern die Schalldämmung in jedem Frequenzbereich nahe an der höheren Schalldämmung liegt.