Jeder Gehörschutz sollte auch entsprechend seiner Eignung bezüglich Einwirkungsfaktoren und Arbeitsumgebung ausgewählt werden.
Tabelle 2 Empfehlungen zur Auswahl der einzelnen passiven Gehörschutz-Typen bezüglich der Arbeitsumgebung
Arbeitsbedingungen |
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| Kapselgehörschutz | Stöpsel zum mehrfachen Gebrauch |
Stöpsel zum einmaligen Gebrauch |
Bügelstöpsel | Gehörschutz-Otoplastiken | Stöpsel mit Verbindungsschnur |
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| Sehr hohe Temperatur und Feuchtigkeit | –(1) | + | + | + | + | + |
| Starke Staubbelastunga | – | + | – | – | ||
| Wiederholte kurzzeitige Lärmexposition | + | – | + | – | – | |
| Ortung von Schallquellen | – | + | + | + | + | + |
| Vibration und schnelle Kopfbewegungen | + | + | + | |||
| Arbeitsstoffe, Schmutz und Metallspäne an den Händenb | + | + | ||||
| Bewegte Maschinenteile | + | + | + | – | ||
| (1) | geeignet mit schweißabsorbierender Zwischenlage |
| a | Staub kann sich am Gehörschutz anlagern und je nach Art der Staubbelastung die Haut reizen. (Typische Tätigkeiten mit starker Staubbelastung sind: Schleifarbeiten in Behältern, Gussputzen, Natursteinbearbeitung) |
| b | Stöpsel ohne Griff (insbesondere vor Gebrauch zu formende Stöpsel) nur nach vorheriger Händereinigung einsetzen |
| Kennzeichnung Feld mit "–": | grundsätzlich nicht geeignet |
| Kennzeichnung Feld mit "+": | grundsätzlich geeignet |
| leere Felder: | Eignung abhängig vom Einzelfall und von der Gefährdungsbeurteilung |
Des Weiteren sind folgende Punkte zu berücksichtigen:
Zu Kapselgehörschutz ist zu raten, wenn
Nachteile von Kapsel-Gehörschutz:
Die Ortung von Schallquellen wird erschwert. Somit ist der Einsatz von Kapselgehörschutz kritisch zu hinterfragen, wenn aus Sicherheitsgründen gutes Richtungshören erforderlich ist (zum Beispiel nahende Gabelstapler gehört werden müssen).
Werden Brillen getragen, können die Brillenbügel die Wirkung von Kapselgehörschutz erheblich reduzieren. Außerdem führen sie zu Druckstellen. Die Bügel der verwendeten Brillen sollen deshalb möglichst flach sein. Auch sind dabei Kapselgehörschützer mit breiten und weichen Kissen zu bevorzugen.
Trägt man Ausrüstungen am Kopf (zum Beispiel Schweißerschutzschirm), ist das Benutzen von Kapselgehörschutz nicht möglich.
Bei der Auswahl von geeignetem Kapselgehörschutz sollen auch ergonomische Gesichtspunkte berücksichtigt werden:
Um eine Verringerung der Schutzwirkung zu vermeiden, muss die Position der Kapseln korrekt eingestellt werden und diese müssen mit dem Bügel in der vorgesehenen Position (Kopf, Nacken oder Helm) getragen werden.
Bei Kapselgehörschützern mit Nacken- oder Kinnbügel wird durch das Kopfband das Verrutschen der Kapseln nach unten verhindert (siehe Abbildung 3 und Abbildung 4).
Weitere Informationen zu elektronischen Zusatzfunktionen sind in Abschnitt 5.5 aufgeführt.
Gehörschutzstöpsel sind zu empfehlen
Gehörschutzstöpsel sind grundsätzlich zu empfehlen, wenn Kapselgehörschützer wegen der Größe der Kapseln, wegen deren Masse oder dem Druck auf den Kopf abgelehnt werden.
Bügelstöpsel können als sehr angenehm empfunden werden, wenn häufiges Auf- und Absetzen erforderlich ist. Benutzer und Benutzerinnen müssen beim Auf- und Absetzen die Stöpsel nicht berühren, was zum Beispiel an Arbeitsplätzen mit Schmutz oder Metallspänen Verschmutzungen des Gehörschutzes vermeidet. Bügelstöpsel sind insbesondere für niedrige Pegelbereiche geeignet, da sie meist eine relativ geringe Schalldämmung besitzen.
Die Verwendung von Gehörschutzstöpseln mit Verbindungsschnur ist immer dann sinnvoll, wenn der Stöpsel zeitweise aus dem Ohr entfernt werden muss und die Gefahr besteht, dass er verloren geht.
In einigen Industriezweigen (insbesondere der Lebensmittelindustrie) ist die Verwendung von detektierbaren Gehörschutzstöpseln (Metallmarker zur Ortung) empfehlenswert.
Gehörschutzstöpsel zur einmaligen Verwendung sind immer dann angebracht, wenn eine starke Verschmutzung vorliegt und ein wiederverwendbarer Gehörschutzstöpsel durch mögliche Verschmutzung eine Gefährdung für den Träger bedeuten kann.
Silikonhaltige Gehörschutzstöpsel werden nicht verwendet, wenn Qualitätsprobleme beim Lackieren von Bauteilen auftreten können (insbesondere in der Kfz-Industrie).
Nachteile von Gehörschutzstöpseln:
Diese Gehörschützer sind nicht oder nur bedingt geeignet für Personen, die empfindliche, sehr enge, sehr weite oder vorgeschädigte Gehörgänge haben oder bei denen eine Allergie gegenüber den Inhaltsstoffen der erhältlichen Gehörschutzstöpsel besteht.
Bügelstöpsel verursachen beim Anstoßen am Bügel einen lauten Impuls am Ohr des Trägers bzw. durch Reibgeräusche an der Kleidung einen höheren Schalldruckpegel. Außerdem kann insbesondere bei dauerndem Einsatz der durch den Bügel entstehende zusätzliche Druck auf den Gehörgang oder den Gehörgangseingang zu einer Belastung für den Benutzer und die Benutzerin führen.
Gehörschutzstöpsel mit Verbindungsschnur stellen bei Arbeiten in der Nähe bewegter Maschinenteile eine Gefährdung dar (Einzug der Verbindungsschnur) und sollen in solchen Fällen nicht verwendet werden.
Gehörschutzstöpsel, insbesondere die vor Gebrauch zu formenden Produkte, erfordern ein sorgfältiges Einsetzen, um Leckagen und damit eine Reduzierung der Schalldämmung zu vermeiden. Das richtige Einsetzen wird im Abschnitt 10.1 beschrieben.
Ergonomie bei Benutzung von Gehörschutzstöpseln:
Ergonomische Gesichtspunkte der Auslegung von Gehörschutzstöpseln sind insbesondere die Größe, Form und Härte der Stöpselkörper. Die Oberflächenrauigkeit ist je nach Material unterschiedlich und kann als unangenehm empfunden werden. Sie kann auch zu Problemen beim Einsetzen führen. Andererseits kann eine sehr geringe Oberflächenrauigkeit eine ungenügende Haftung im Ohr zur Folge haben.
Bei Bügelstöpseln ergeben sich Unterschiede durch die Form des Bügels und der Stöpsel (zum Beispiel Kugel- oder Kegelform) sowie durch die Stärke und Richtung der Andruckkraft. Bügelstöpsel mit flach auf dem Ohr aufliegenden Stöpseln besitzen eine höhere Andrückkraft als Stöpsel, die in den Gehörgang hineinreichen.
Sie sind zu empfehlen, wenn
Da es für Gehörschutz-Otoplastiken eine vorgegebene Position im Gehörgang gibt, werden sie meistens richtig getragen. Bei fachgerechter Herstellung und Anpassung mit Funktionskontrolle vor der ersten Verwendung und danach regelmäßig mindestens alle drei Jahre erreichen sie somit die beabsichtigte Schutzwirkung.
Alle anderen Gehörschutzstöpsel können hingegen mehr oder weniger tief in den Gehörgang eingesetzt werden. Nicht ausreichend tiefes Einsetzen der Stöpsel beeinträchtigt die Schutzwirkung jedoch erheblich. Das richtige Einsetzen wird im Abschnitt 10.1 beschrieben.
Sie sind zu empfehlen, wenn
An Arbeitsplätzen mit monotoner Tätigkeit kann das Tragen eines Gehörschutzes mit integrierter Entertainmentfunktion (UKW, DAB+, Bluetooth, kabelgebunden) die Motivation der Beschäftigten positiv beeinflussen. Natürlich darf nicht vergessen werden, dass die Sprach- und Signalerkennung beim Nutzen dieser Zusatzfunktionen deutlich schlechter wird. Dadurch darf kein Unfallrisiko entstehen. Der Gehörschutz kann nur an Arbeitsplätzen eingesetzt werden, an denen keine erhöhten Anforderungen an die Wahrnehmung akustischer Signale bestehen. Der Wiedergabepegel ist auf 82 dB(A) begrenzt.
Durch den Sprechfunk bzw. Bluetooth darf keine zusätzliche Gefährdung des Gehörs entstehen. Unternehmer und Unternehmerinnen sollen den Gehörschutz so auswählen, dass der Pegel am Ohr durch eindringenden Lärm und gleichzeitige Gespräche per Funk nicht zu laut werden kann. Gut geeignet sind Komplettgeräte, weil Funkeinrichtung und Gehörschutz von der Herstellfirma aufeinander abgestimmt sind.
Kapselgehörschutz mit Kommunikationseinrichtungen sind zu empfehlen bei
Allgemein dürfen konventionelle Hörgeräte nicht an Lärmarbeitsplätzen getragen werden. Es können nur als Gehörschutz zugelassene Hörgeräte verwendet werden. Die Auswahl und Anpassung erfolgt über einen Hörakustiker.
Weitere Informationen finden sich in der DGUV Regel 112-194 "Benutzung von Gehörschutz".