Frage 38: Wie können sich gesundheitlichen Beschwerden äußern? |
Gesundheitliche Beschwerden äußern sich z. B. als Müdigkeit, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwierigkeiten oder allgemeines Unwohlsein. Betroffene klagen aber auch über Reizungen der Augen, Nase und Rachen und Irritationen der Haut. Ein Dosis-Wirkungszusammenhang ist jedoch wissenschaftlich nicht nachgewiesen!
Frage 39: Wie hängen psychische Faktoren und das Raumklima zusammen? |
Ein behagliches Raumklima wirkt sich positiv auf die Konzentration und das Wohlbefinden der Beschäftigten und damit auf ihre Leistungsfähigkeit aus.
Psychische Belastungsfaktoren, z. B. aus den Bereichen Arbeitsorganisation, Arbeitszeit oder Arbeitsumgebungsbedingungen (z. B. Lärmpegel), können einzeln oder in Kombination das Wohlbefinden der Beschäftigten beeinflussen und das kann wiederum zu Wechselwirkungen mit der Wahrnehmung des Raumklimas führen. So kommt es in der betrieblichen Praxis immer wieder vor, dass sich Beschäftigte unzufrieden über das Raumklima äußern, z. B.: "Es ist zu warm.", "Es ist zu kalt.", "Es zieht.", "Die Luft ist zu trocken.", "Die Luft ist stickig.". Das Unwohlsein wird auf vermeintlich unzureichende Klimaparameter zurückgeführt. Messungen ergeben dann häufig, dass die Klimaparameter in Ordnung sind und in den empfohlenen Bereichen liegen.
Daher ist es wichtig zu berücksichtigen, dass sich ein als behaglich empfundenes Raumklima und das körperliche und psychische Wohlbefinden gegenseitig beeinflussen. Ein angespanntes, konzentriertes oder monotones Arbeiten ohne Unterbrechungen und Wechsel der Körperhaltungen kann die körperlichen Regulationsmechanismen beeinträchtigen und zu Schwitzen, Frieren und anderen Beschwerden führen. Eine schlechte Luftqualität oder die Wahrnehmung unangenehmer Gerüche können bei den Beschäftigten die Besorgnis auslösen, dass die Raumluft mit Schadstoffen belastet ist. Beschwerden über das Raumklima können auch mit einem Gewöhnungsprozess zusammenhängen, z. B. nach einem Umzug oder einer Umstrukturierung, oder auf ungünstige organisatorische Arbeitsbedingungen, wie einer hoher Arbeitsintensität, oder ein schlechtes Betriebsklima zurückzuführen sein. Sind Beschäftigte unzufrieden mit ihrer Arbeit, sinkt die Toleranz für die Duldung ungünstiger Arbeitsbedingungen wie Lärm, schlechte Beleuchtung, unangenehme Gerüche oder ein unbehagliches Raumklima.
| Wichtig: |
| Beschwerden sind ernst zu nehmen und den Ursachen ist auf den Grund zu gehen. (siehe Frage 42) |
Die Ursachen für Beschwerden an Büroarbeitsplätzen können vielschichtig sein. Ihnen auf den Grund zu gehen, ist in der Regel schwierig. Mit einer systematisierten und objektivierten Ermittlungsmethodik kann die Ursachenfindung effektiv gestaltet werden. Eine offene und gute Kommunikation trägt wesentlich zu einer erfolgreichen Lösung der Beschwerdesituation bei.
Mängel bei der Gestaltung der Arbeitsaufgaben, der Arbeitszeit, der Arbeitsorganisation, der Arbeitsmittel, der sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz und der Arbeitsumgebung müssen ermittelt und behoben werden. Bereits bei der Beurteilung der Arbeitsbedingungen sind diese Einflussfaktoren zu berücksichtigen. Handlungshilfen und Informationen dazu finden Sie in der DGUV Information 206-026 "Psychische Belastung – der Schritt der Risikobeurteilung" und den Empfehlungen zur Berücksichtigung psychischer Belastung in der Gefährdungsbeurteilung.
Frage 40: Was können die Ursachen sein, wenn Beschäftigte in einem Bürogebäude über unspezifische Symptome klagen? |
Beschwerden von Beschäftigten an Büroarbeitsplätzen können viele andere Ursachen haben als das Raumklima. So steigt z. B. an ergonomisch ungenügend gestalteten Bildschirm- und Büroarbeitsplätzen das Risiko von Beschwerden. Wie bereits in Frage 39 beschrieben, treten Beschwerden auch häufig nach organisatorischen Veränderungen oder Umzügen in neue Räumlichkeiten oder Bürogebäude auf. In diesem Zusammenhang tauchen dann auch Begriffe wie Sick-Building-Syndrom (SBS) oder Building Related Illness (BRI) auf.
Der Begriff SBS wurde erstmals in den 1970er Jahren verwendet und hat heutzutage eigentlich keine Relevanz mehr. Bei SBS handelt sich nicht um eine Erkrankung im eigentlichen Sinne, sondern um eine Zusammenfassung unspezifischer Symptome, die nach längerem Aufenthalt in einem Gebäude auftreten und nach Verlassen des Gebäudes wieder abklingen oder ganz verschwinden.
Sie werden unter Umständen mit einer beeinträchtigten Innenraumluftsituation in Verbindung gebracht, obwohl die Richtwerte von physikalischen, chemischen oder biologischen Parametern in der Regel eingehalten werden. Umfangreiche Studien konnten zeigen, dass das Zusammenspiel vieler Faktoren, wie z. B. die Benutzerfreundlichkeit des Arbeitsplatzes, die Tätigkeit selber und persönliche Faktoren und Empfindungen der Betroffenen, oft entscheidender für das Auftreten der Beschwerden sind, als die Einflüsse des Gebäudes.
Bei BRI handelt es sich dagegen um ein klar definiertes Krankheitsbild, das auf nachweisbare Ursachen zurückgeführt werden kann. Dazu zählen unter anderem Allergien (z. B. durch Pollen oder Tierhaare), Infektionen (z. B. durch Legionärskrankheit) oder Krebserkrankungen (z. B. durch Radon).