Zunächst werden Angaben zum am Arbeitsplatz auftretenden Lärm und zum Gehörschutz benötigt. Dann kann der Restschalldruckpegel ermittelt werden.
In den Zeiten, in denen mit Sicherheit keine Gehörgefährdung vorliegt, ist das Tragen von Gehörschutz nicht erforderlich.
Für die Berechnung des Restschalldruckpegels bzw. des Restspitzenschalldruckpegels benötigt man:
Der Tages-Lärmexpositionspegel LEX,8h ist der über eine Arbeitsschicht gemittelte Schalldruckpegel, bezogen auf eine Achtstundenschicht und wird in dB(A) angegeben. Der Spitzenschalldruckpegel LpC,peak ist der höchste vorkommende Schallpegel innerhalb einer Schicht und wird in dB(C) gemessen.
Der Tages-Lärmexpositionspegel und der Spitzenschalldruckpegel sind im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung vom Unternehmer bzw. der Unternehmerin zu ermitteln. Etwa 85 % aller Geräusche am Arbeitsplatz sind mittel- bis hochfrequent (Geräuschklasse HM), etwa 15 % aller Geräusche sind im tieffrequenten Bereich angesiedelt (Geräuschklasse L). Die Tabellen 4 und 5 enthalten Beispiele für die verschiedenen Geräuschklassen. Die Zuordnung zu einer der beiden Geräuschklassen kann nach dem subjektiven Klangeindruck erfolgen.
Tabelle 4 Geräuschklasse HM – mittel- bis hochfrequente Geräusche
| Geräuschquellen der Geräuschklasse HM – mittel- bis hochfrequent mit LC – LA ≤ 5 dB | |
| Brennschneider Rollenrotations-Hochdruck-Pressen Dragiertrommeln Rüttelformmaschinen Druckluftdüsen Schlagschrauber Elektro-Nagler Schleifmaschinen Falzmaschinen Schmiedehämmer |
Getränkeabfüllanlagen Spinnmaschinen Gussputzarbeiten Strick- und Wirkmaschinen Holzbearbeitungsmaschinen Trennschleifmaschinen Honmaschinen Webmaschinen Hydraulikpumpen Zentrifugen |
Tabelle 5 Geräuschquellen der Geräuschklasse L – überwiegend tieffrequente Geräusche
| Geräuschquellen der Geräuschklasse L – überwiegend tieffrequent mit LC – LA > 5 dB | |
| Bagger Konverter-Anlagen Elektro-Schmelzöfen Elektro-Umformersatz Kupol-Öfen Feuerungen Metall-Druckgießmaschinen |
Hochofenanlagen Planierraupen Kollergänge Strahlanlagen Kompressor-Anlagen (Kolben) Verbrennungs-Öfen |
Der Wert LC - LA kann bei Bedarf messtechnisch ermittelt werden, um ein Geräusch zu charakterisieren.
Dabei ist:
Weiterführende Informationen finden sich in den Anhängen 1 und 2.
Aus der Kennzeichnung des Gehörschutzes sind unter anderem folgende Dämmwerte zu entnehmen:
H-Wert (High = Dämmwert für hochfrequente Geräusche)
M-Wert (Medium = Dämmwert für mittelfrequente Geräusche)
L-Wert (Low = Dämmwert für tieffrequente Geräusche)
SNR-Wert (Single Number Rating = Einzahlschalldämmwert)
Zur Auswahl von Gehörschutz werden üblicherweise die M- und L-Werte herangezogen.
Kontrollen der tatsächlichen Schutzwirkung von Gehörschützern haben ergeben, dass die bei der Baumusterprüfung erzielten Dämmwerte in der Praxis meist nicht erreicht werden (reduzierte Praxisschalldämmung).
Als Korrekturwerte KS für die Benutzung von Gehörschutz in der Praxis werden verwendet:
| Art des Gehörschutzes | Praxisabschlag KS in dB |
| Vor Gebrauch zu formende Gehörschutzstöpsel | KS = 9 dB |
| Fertig geformte Gehörschutzstöpsel | KS = 5 dB |
| Bügelstöpsel | KS = 5 dB |
| Kapselgehörschutz | KS = 5 dB |
| Gehörschutz-Otoplastiken mit Funktionskontrolle vor der ersten Verwendung und danach regelmäßig im Abstand von maximal 3 Jahren |
KS = 3 dB |
Bei Extremsituationen mit Verwendung von Kombinationen aus Gehörschutzstöpseln und Kapselgehörschutz ist je nach Stöpselart ein Wert von Ks = 9 dB bzw. 5 dB anzunehmen.
Für tieffrequente Spitzenschalldruckpegel sind entsprechend der DGUV Regel 112-194 "Benutzung von Gehörschutz" besondere Regeln zu beachten. Die Schalldämmung wird durch dabei entstehende Leckagen weiter verringert. Es ist ein zusätzlicher Praxisabschlag von 5 dB auf den L-Wert erforderlich.
Möchte man aufgrund der oben genannten reduzierten Praxisschalldämmung bei einer Person für einen bestimmten Gehörschutz die exakte Schalldämmung bestimmen, spricht man von der individuellen Schalldämmung. Dafür gibt es mehrere grundlegende Messtechniken. Gebräuchlich ist die Audiometrie.
Gehörschutz-Otoplastiken müssen individuell überprüft werden (verpflichtende Funktionskontrolle). Aber auch für alle anderen Gehörschutzarten empfiehlt sich eine Überprüfung der individuellen Schutzwirkung. Diese kann in die Unterweisung mit praktischen Übungen integriert werden (siehe Abschnitt 9.1).
Eine ausführliche Zusammenstellung der möglichen Messmethoden inkl. Messysteme und Anwendungshinweise findet sich in der DGUV Information 212-003 "Messsysteme zur Bestimmung der individuellen Schutzwirkung von Gehörschutz".
Geräuschklasse HM:
Restschalldruckpegel in dB(A) = Tages-Lärmexpositionspegel – (M-Wert – Ks)
Geräuschklasse L:
Restschalldruckpegel in dB(A) = Tages-Lärmexpositionspegel – (L-Wert – Ks)
Schweißnähte an Blechen werden mit einer Winkelschleifmaschine nachbearbeitet.
Folgerung:
Der Restschalldruckpegel unter dem Gehörschutz liegt in dem empfohlenen Pegelbereich von 70 bis 80 dB(A). Der Gehörschutz ist für den Beschäftigten an diesem Arbeitsplatz geeignet. Es gibt noch andere Auswahlverfahren (siehe DGUV Regel 112-194 "Benutzung von Gehörschutz").
Der Spitzenschalldruckpegel liegt unterhalb des unteren Auslösewertes des Spitzenschalldruckpegels von 135 dB(C) und muss deshalb nicht berücksichtigt werden.
Das konsequente Tragen von Gehörschutz ist für den Restschalldruckpegel am Ohr des Benutzers bzw. der Benutzerin entscheidend. In der folgenden Abbildung wird gezeigt, dass die Schutzwirkung nur noch 3 dB beträgt, wenn der Gehörschutz statt 8 nur 4 Stunden getragen wird. Die unterschiedlichen Schalldämmungen von 10 bzw. 30 dB haben darauf keinen Einfluss.

Abb. 14 Effektive Dämmung eines Gehörschützers mit 30 bzw. 10 dB Schalldämmung in Abhängigkeit von der Expositionszeit, bezogen auf eine 8-Stunden-Schicht
Aber auch bei kurzzeitigem Nichttragen über eine Schicht (zum Beispiel in Summe 30 min) wird die Schutzwirkung deutlich reduziert. Bei einer nominellen Schalldämmung von 30 dB beträgt die effektive Dämmung dann nur noch 12 dB.